Kategorien
Allgemein Philosophie poesie selbstbestimmung Selbstliebe selbstoptimierung Träume

Und es schließt sich die Tür

Und es schließt sich die Tür und diesmal hab ichs im Gespür. 

Dolch ins Herz, sag mir spürst du ihn, den Abschiedsschmerz?

Veränderung, Abschied, Loslassen oder wie auch immer du es nennen magst, kein Wort wird dem unwohlen Gefühl des Verlusts gerecht. 

Es ist einerseits Erleichterung, die du spürst, wenn etwas Schlechtes dein Leben verlässt, andererseits macht sich ein Ohnmachtsgefühl breit, das dich von innen vergiftet, wenn etwas Schönes plötzlich vorbei sein soll. 

In einem Moment, in dem wir wieder einmal alles zu viel wird, schließe ich meine Augen und stelle mir vor, Ich stehe in einem großen, weitläufigen Raum, von dem aus ich Zugang zu einer Handvoll Türen erhalte. Jede Tür steht für eine meiner lieb gewonnenen Gewohnheiten. Hinter den Türen, die den Raum hell erstrahlen lassen, verstecken sich Menschen, die mir Glück bereiten, Laufrunden in der Natur, die mir den Kopf durchpusten und mich gleichzeitig therapieren, Wanderungen mit Freunden und endlose Stunden voller Glück mit den Menschen, die ich liebe. Ich spüre das pure Glück aus meinem Herz emporsteigen und fühle mich beflügelt, gleichzeitig füllt sich mein Energietank.

Mein  Blick schweift von links nach rechts, alle Türen sind einen Spalt geöffnet, sodass man hindurch spazieren könnte, bis eine von ihnen lautstark ins Schloss fällt! Ich bin fassungslos, verstehe nicht, was geschieht.

Und es schließt sich die Tür und diesmal hab ichs im Gespür. 

Dolch ins Herz, sag mir spürst du ihn den Abschiedsschmerz?

Ich rüttle an der Tür, versuche sie zu öffnen, doch versage kläglich. Erinnerungen durchströmen mich augenblicklich und ich realisiere, welche Tür sich geschlossen hatte. 

Das war es nun also? Jahrelang hatten wir uns Erinnerungen aufgebaut, die nun alles waren, wovon wir für den Rest unseres Lebens zehren konnten? Nie wieder würde ich sie sehen? Mit ihr sprechen? Ihren Zuspruch und ihre Geborgenheit um mich spüren? Warum hatte man kein Erbarmen mit mir gehabt oder mich in irgendeiner Art und Weise vorgewarnt. Wie kam man darauf, dass ich bereit war für dieses einschneidende Erlebnis?  Ich fühle mich vom Leben nicht gut genug darauf vorbereitet. 

Ich merke, wie ich nach Luft ringe und in die Schnappatmung übergehe. Ich kann keinen klaren Gedanken fassen. Es will nicht in meinen Kopf, dass schöne Gewohnheiten, die zu meinem Leben gehören, nun einfach vorbei sein sollen. Dass plötzlich Menschen aus meinem Leben treten, weil deren Zeit gekommen war, will ich nach wie vor nicht realisieren. 

Ist das das Leben? Der Schmerz, den ich spüre?

Und es schließt sich die Tür und diesmal hab ichs im Gespür. 

Dolch ins Herz, sag mir spürst du ihn den Abschiedsschmerz?

Bis bald.

Eure Rox

Kategorien
Allgemein Gesundheit poesie Träume

Einmal noch

Wenn es passiert, ist es immer plötzlich, es fühlt sich immer surreal an und du fühlst dich wie vom Leben überfallen. Dafür bist du nie bereit! Niemand drückt für dich auf Pause, dreht gar die Zeit zurück oder hilft dir sie nach vorne zu drehen. Fakt ist, du musst da durch und niemand fragt dich, ob und wann du bereit bist, Abschied zu nehmen. Selbst, wenn ich gefragt worden wäre, hätte ich mich immer vor einer Antwort gedrückt.

Wie sehr es schmerzt, deine Stärke entweichen zu sehen und dir in deine Augen zu sehen, die längst kein Leuchten mehr in sich tragen und sich langsam vom Leben verabschieden.

Wie sehr es schmerzt, dich so abhängig zu sehen, wo dein tiefster Wunsch immer war, unabhängig zu sein und für dich selbst sorgen zu können.

Wie sehr es schmerzt, dich so leiden zu sehen, ohne das Geringste an deiner Lage ändern zu können. Du hättest immer alles für uns getan und nun stehe ich an deiner Seite, blicke auf dich herab und fühle mich wie gelähmt. Die Kehle zugeschnürt und nicht im Stande einen klaren Gedanken zu fassen. Tränen zu vergießen, hilft mir aktuell meinem Schmerz Ausdruck zu verleihen, da es keine passenden Worte dafür gibt, wie ich mich fühle.

Wie sehr es schmerzt, zu akzeptieren, dass ich dein Lachen, deinen Zuspruch, deine Ratschläge & deine Geborgenheit und Liebe nie wieder fühlen werden. Beim Gedanken daran, deine Stimme einmal zu vergessen, kullern mir Tränen über meine Wangen.

Immer werde ich dich als die starke, lebensfrohe, herzliche, humorvolle Frau in Erinnerung haben, die grenzenlose Liebe für uns empfunden hat und uns in guten wie in schlechten Zeiten immer zur Seite stand. Du hättest alles für uns gegeben und wir für dich.

Der Anruf kam um 1:15 und ich hab ihn wie in Trance angenommen, der Satz verfolgt mich auch jetzt noch jeden Tag. Das soll es nun gewesen sein? Ich kann es noch immer nicht fassen, dass du nun weg bist. Wir waren zwar darauf vorbereitet und zuzusehen, wie die letzten Wochen das Leben langsam aus dir wich, war schmerzhaft und hat mir mein Herz gebrochen, aber nichtsdestotrotz warst du noch hier. Nun bist du weg und der einzige Trost, den ich habe, ist, dass ich meine tiefsten Gefühle mit dir vor deinem Tod teilen konnte. Meine Schwester und ich haben dich auf deinem letzten Weg begleitet und das fühlt sich gut an. Wir waren stark für dich, das haben wir von dir gelernt.

Nie konnte ich mir ein Leben ohne dich vorstellen, bin dem Gedanken daran davon gelaufen und habe ihn jahrelang verdrängt. Nun stehe ich fassungslos da, fühle mich emotional ausgesaugt und leer. Erinnerungen zu haben, scheint mir ein sehr schwacher Trost, da sie verblassen werden. Irgendwann werde ich mich an deine Stimme nicht mehr erinnern können und nie wieder werde ich die Gelegenheit haben, mit dir über Gott und die Welt zu sprechen, dich um Rat zu fragen oder dich zu umarmen.

Mit dir geht ein Teil meiner Kindheit und auch ein Teil von mir. Es heißt zwar, die Zeit heilt alle Wunden, aber die Leere, die du hinterlässt, wird niemand füllen können.

Ich umarme dich in Gedanken, ich liebe dich!