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Zauberschuh simsalasics

Wieder einmal stehts mir bis oben, die Luft bleibt mir weg, ich hab das Gefühl in jeder Sekunde zu explodieren. Mein Blick erspäht meine bunten Asics, bereits in wenigen Sekunden bin ich angekleidet und bereit für den Lauf. Der Lauf – der alles vergessen lässt und der mir beim Abhaken und Runterkommen hilft. Was so dreckige Laufschuhe so alles vollbringen? Mit jedem Kilometer rücken die Problemchen weiter in den Hintergrund und auch für meine Lunge ist es eine Wohltat, dass ich wieder richtig durchatmen kann. Ich trabe mich in Trance, bis ich alles vergessen habe, na ja bis auf meinen Namen und Wohnort und auf ein paar andere Kleinigkeiten 😉 Meine Existenz zu vergessen würde mich dann doch wieder ärgern und dann wären wir wohl auch im klassischen Teufelskreis gefangen.

Doch läuft es wirklich so ab? Ich habe schon öfters von Bekannten und Freunden gehört, dass Läufer ja nur vor etwas davon laufen und sie doch eher mal nach dem tieferen Grund suchen sollten. Ist was Wahres dran frage ich mich?

  • Laufe ich vor meinen Problemen davon oder komm ich einer Lösung einen Schritt näher?
  • Verdränge ich und fressen sich die Gedanken ins Unterbewusstsein oder verarbeite ich dabei?
  • Könnte ich die Zeit womöglich sinnvoller nutzen?

Ich möchte dir erzählen, wie ich mich bei einem Lauf fühle und versuche mich mit recht bildhafter Sprache auszudrücken. Stell dir das Wohnzimmer der Flodders vor. *Simsalasics*

So, nun starte ich meinen Lauf – mit einem Gefühl als hätte ich entweder im Browser unzählige Tabs offen, die es zu schließen galt oder säße mitten im Wohnzimmer der Flodders verwirrt und unentschlossen, welchem Fleck des Chaos ich mich zuerst widmen soll: Der Hundescheiße am Boden oder doch eher den Essenresten am Tisch, auf denen sich bereits das Ungeziefer breit macht? Während meines Laufs beginne ich eine Strategie zu entwickeln, die mir dabei behilflich ist, das Chaos zu beseitigen. Ich beruhige mich und schiebe jegliches Stressgefühl von mir weg. Plötzlich geht mir alles leichter von der Hand. Von Kilometer zu Kilometer werde ich schneller im Aufräumen, fein säuberlich nehme ich mir jede Ecke des Wohnzimmers vor. Einiges erscheint mir nun doch nicht mehr so wichtig, das kann ich mir auch ruhig an einem anderen Tag vornehmen.

Es gab auch schon Läufe, in denen ich nicht im Wohnzimmer der Flodders saß, sondern mich in einem einsamen Haus wiederfand, indem es eine Tür gab, die definitiv geöffnet werden wollte. Es polterte und das klopfende Geräusch hinter der Tür wurde immer intensiver und fordernder. „Öffne die Tür“ – Durch die Steuerung meiner Gedanken konnte ich mich rasch von diesem Ort wegbewegen. Alles hat seine Zeit, nicht jede Tür muss sofort geöffnet werden, wir spüren es meistens, wenn wir dazu bereit sind.

Am Ende meiner Läufe stellt sich ein zufriedenes Gefühl ein. Die Pläne, die gefasst werden, die Strategien, die ich entwickle und die Entscheidungen, die getroffen werden, bedeuten, dass ich das Ruder in der Hand habe und mein Leben steuere. Oft genieße ich aber auch einfach die Ruhe während des Laufs, die Route mit all ihren Bildern wird abgespeichert und die Entspannung danach wird genossen.

Ich freue mich bereits jetzt auf den nächsten zauberhaften Lauf – simsalasics 🙂

Sollte unter meinen Lesern auch jemand sein, der dem Laufen verfallen ist, wäre ich froh über einen Austausch.

Bis dann, eure Rox.

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Planung und Kontrolle im Stillstand

Wie mir ging es bestimmt vielen  Menschen so. Zu Beginn des Jahres sind wir voller Tatendrang und sitzen mit offenen Kalendern mit Freunden zusammen und planen unsere nächsten Monate. In meinem Fall waren es Konzerte, Kurzurlaube, Kabaretts, natürlich diverse Feierlichkeiten mit der Familie und die obligatorischen Treffen mit meinen besten Freundinnen. Das ganz normale Leben eben! Tag ein, Tag aus, tun wir alle, was  wir möchten und wir gehen mit der enormen Freiheit um, wie wir es für richtig halten. An andere denken ist eher zur Seltenheit geworden. Mit Ellenbogen drängen wir uns durch die Gesellschaft und möchten immer besser und erfolgreicher als das Gegenüber sein.

Vor einer Woche sollte sich diese Einstellung und Haltung komplett ändern – der Härtefall für unsere Gesellschaft ist eingetreten. Plötzlich trifft es nicht einen anderen Kontinent, plötzlich tritt es in unser Leben und beschneidet auch unsere Freiheit. Was mir sofort aufgefallen ist, ist, dass Menschen beginnen von ihrem hohen Ross abzusteigen, lernen wieder an Andere zu denken und lassen Empathie aufkommen. Uns wird bewusst, dass wir Verantwortung übernehmen müssen und auch wir nun Stellung zum Virus beziehen sollten. Wie verhalte ich mich? Wie richte ich mein Leben die nächsten Wochen aus? Wie steht es um meine Großeltern, werden sie das durchstehen?

Die derzeitige Situation beeinflusst sowohl unser Privat- als auch unser Berufsleben. Ich habe natürlich begonnen mehr mit meinen Freunden zu telefonieren und das Laufen gibt mir Halt und ein wenig Normalität. Das Laufevent, das in meiner alten Heimat stattgefunden hätte und auf das ich mich die letzten Wochen vorbereitet habe, wurde bereits abgesagt. Davon lasse ich mich nun nicht beirren, ich möchte weiter trainieren, so als würde ich den Halbmarathon doch in 4 Wochen laufen. Realistisch betrachtet, wird es schwache Momente geben, an denen ich mir ins Gewissen rede, dass ohnehin kein Bewerb anstehe und ich mal einen Gang zurückschalten könnte.

Auch mein Berufsleben hat die ersten 3 Tage unter der neuen Situation gelitten, Grenzen zwischen Privat und Beruf sind miteinander verschwommen und hat mir die Freude an meiner Freizeit genommen. Am 4. Tag hab ich mein Büro in ein anderes Zimmer verlegt und mich auch so gekleidet, als würde ich ins Büro fahren. Der Moment am Abend, in dem ich mir meine Jogginghose anwerfe, vermittelt mir nun zusätzlich das Gefühl ab sofort privat zu sein.

So viele Wochen hatte ich im Vorhinein geplant, doch das Leben ist dazwischen gekommen. Niemand hätte solche Einschnitte erwartet. Was diese Krise für Firmen, die Wirtschaft und eine Vielzahl an Menschen bedeutet, möchte ich mir im Detail gar nicht ausmalen.

Einstweilen versuche ich mir das Positive vor Augen zu halten. Indem wir unsere soziale Leben für etliche Wochen opfern, retten wir  Menschenleben. Auch die Umwelt kann wieder aufatmen und sich ein wenig von den Strapazen der letzten Jahrzehnte erholen. Man lernt sich wieder mehr mit sich und seinen Interessen zu beschäftigen.

Ganz spannend zu sehen, was wir machen, wenn wir plötzlich Zeit zu Hause haben und die sozialen Kontakte praktisch gleich 0 sind bzw. sich auf die Menschen beschränken, mit denen man zusammenlebt. Wir widmen uns jenen Dingen, die uns Spaß machen und mit denen wir gerne Zeit verbringen. Ich habe heute Yoga gemacht, in Ruhe gekocht ohne andauernd auf die Uhr zu schauen, lange mit einer guten Freundin telefoniert und nun auch noch Zeit ein paar Zeilen und Gedanken niederzuschreiben. Wir haben wieder Zeit gewonnen für die nächsten Wochen, wer weiß was noch kommt, vielleicht lernen wir eine Sprache oder beginnen zu zeichnen? Trotz allem hoffe ich, dass sich die Lage in allen Ländern bald beruhigt, unsere Leben sich wieder normalisieren und wir uns danach bewusster durchs Leben bewegen.

Bis bald. Eure Rox

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The feelings I have after a long run

Kristin Armstrong (US-Amerikanerin, ehem. Triathletin) sagte: “ I think I get addicted to the feelings associated with the end of a long run“ Als ich den Satz gelesen hatte, musste ich sofort innerlich nicken und zugegebenermaßen sie meint damit höchstwahrscheinlich viel längere Distanzen als ich, aber auch bei mir stellt sich nach ca. 15, 20 km (und oft auch schon davor) auch bereits ein sehr positives Gefühl nach dem Lauf ein:

  • Man fühlt sich nach der Laufeinheit beflügelt, wie auf Droge
  • Endorphine werden ausgeschüttet (hängt daher mit dem ersten Punkt zusammen)
  • Man fühlt sich fit und agil
  • Körper und Seele bilden eine Einheit, geben sich ein High Five und ziehen gemeinsam an einen Strang, so stelle ich es mir jedenfalls vor

Das sind natürlich nur einige der Vorteile, in einem älteren Post hatte ich ja bereits eine Dankesrede ans Laufen verfasst 😉 Hier nochmals zum Nachlesen: https://purplenotes.blog/2019/01/11/dankesrede-ans-laufen/

Beim Verfassen des Posts sitze ich im Zug am Weg in die Arbeit und bekomme sofort Lust meine Laufschuhe anzuziehen und loszulaufen.

In den letzten Jahren hatte ich es zu einer angenehmen Gewohnheit werden lassen: Wann immer ich innerlich unruhig war, Stress auf der Arbeit oder privat hatte, vor einer großen Entscheidung stand oder einfach nur ein paar Kekse abtrainieren wollte, warf ich die Laufmontur an, band die Schuhe zu und startete mit meiner reinigenden Einheit.

Und bereits jetzt freue ich mich auf die nächsten Laufrunden, die bevorstehen, so groß kann der Schweinehund gar nicht sein, um mich überreden zu können 😉

Bis dann. Eure Rox

 

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Stell dich schon ein Heimatgefühl

Wir drehen bereits die fünfte Runde und mein Blick schweift immer wieder ab, ich kann mich auf die einzelnen Dekogegenstände und Möbel kaum mehr konzentrieren, alles wimmelt nur so von grinsenden, zufrieden aussehenden Buddha Figuren in allen möglichen Varianten, überall glitzert es und eine breite Palette an Farben prasselt auf uns nieder. Ich gehe immer wieder die Einkaufsliste durch und mir ist bereits jetzt die Lust vergangen krampfhaft nach Gegenständen zu suchen, die unser neues Heimat verschönern sollten und uns helfen, der fremden Wohnungen unseren Stempel aufzudrücken.

Nach etlichen Stunden sind wir daheim angekommen und ich bin schon dabei die neuen Errungenschaften perfekt in Szene zu setzen. Zögernd trete ich ein paar Schritte zurück und lasse die neuen Möbelstücke auf mich wirken. Wir verbringen weitere Stunden damit alles so zu drapieren, dass wir uns wiederfinden. Intuitiv gefällt mir dann so manches doch an einem anderen Ort besser, als ich es mir in meinem Kopf ausgemalt hatte.

Warum aber verbringen wir Stunden über Stunden damit, uns die Wohnung so zu schmücken und mit Gegenständen zu versehen, dass sie uns ein Gefühl von Heimat und ein „Das-bin-Ich“ vermitteln? Ich sinke geschafft auf die Couch und stelle mir bewusst die Frage nach dem Warum? Wäre es nicht für uns beide entspannter gewesen, wir hätten den Stress sein lassen und hätten gemeinsam gekocht und einen der ersten gemeinsamen Abende zwar in einer kahlen Wohnung, aber dafür zufrieden und entspannt verbracht?

Ich denke an meine letzte Wohnung und es überkommt mich doch ein wenig Wehmut, viele Erinnerungen und fast zwei Jahrzehnte meines Lebens hatte ich an diesem Ort und in der Wohnung verbracht. Es trudeln nach und nach Erinnerungen bei mir ein, ich erkenne bekannte Gesichter, Menschen, die ich liebe, mit denen ich wunderbare Momente erlebt habe, ob es die ersten Parties waren oder gemeinsame Abende, die von guten Gesprächen geprägt waren. Ich erinnere mich aber auch an Momente, die ich für mich hatte, in denen ich mich rundum glücklich und wohl fühlte. Ich beende den Tagtraum und verspreche mir in Gedanken Besserung 🙂

Bereits am nächsten Tag stoppe ich es und nehme mir selbst den Druck. Ich möchte nun, alles bis zu einem gewissen Grad „geschehen“ lassen. Ich ziehe meine Laufschuhe an und rücke damit dem Heimatgefühl bereits ein großes Stück näher.

Bis bald,

Eure Rox

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Dankesrede ans Laufen

Im Winter finden ja bekannterweise immer die Golden Globes und auch die Oscar Verleihung statt, bei meiner letzten Laufrunde am Wochenende kam mir der Gedanke, wie sehr ich dem Laufen dankbar bin und in Gedanken begann ich bereits eine Rede zu formulieren:

Vor 3 Jahren haben wir uns getroffen, davor war ich es satt, mich gestresst und träge zu fühlen. Ich wusste, ich brauchte ein Hobby, eines bei dem ich dem Körper Kondition beibrachte, bzw begann sie aufzubauen. Unser Techtelmechtel startete langsam, anfangs trafen wir uns nur 30 Minuten, danach war ich meistens fix und fertig, bis wir schlussendlich 3 Stunden miteinander verbrachten. Nach diesen intensiven Stunden war ich den restlichen Tag verzaubert von der Leistung, die wir gemeinsam – im wahrsten Sinne – auf die Strecke gebracht haben.

Ich danke dir – dem Laufen für:

  • Das Schärfen meines Bewusstseins für die Themen Ernährung und Bewegung, denn was wir essen ist der Treibstoff, den wir in uns tanken
  • Eine überdurchschnittliche Kondition, die mich selbst in der Arbeit zum Liftverweigerer macht
  • Eine bessere Körperhaltung und definiertere Muskeln (überwiegend im Beinbereich ;-))
  • Eine gesteigerte Konzentration, sowohl während als auch nach dem Laufen, währenddessen löse ich oft die ein oder anderen inneren Konflikte.
  • Mehr Selbstbewusstsein – dieses Hobby in Verbindung mit der Natur und persönlichen Zielen macht uns zu stärkeren Menschen
  • Stressabbau – du hilfst mir den aufgestauten Stress in regelmäßigen Abständen abzuschütteln
  • Eine psychische Gesundheit, die ein oder andere Laufrunde war für mich sehr stark therapeutischer Natur, vor allem in Verbindung mit meiner Freundin
  • Mehr Disziplin – ich trete mir öfter in den Allerwertesten und zwar, weil ich unrund werde, sobald ich keine Bewegung mache.

Um es zusammenzufassen: Danke, dass du aus mir eine bessere Version geschaffen hast. Auf weitere fitte Lebensjahre 🙂

Alles Liebe

Eure Rox