Meist beginnt es bei mir kurz vor Weihnachten, dass ich mich aktiv mit den zurückliegenden Tages des bald endenden Jahres beschäftigen möchte. Da mir Erinnerungen festzuhalten sehr wichtig ist, habe ich mein Smartphone durchgescrollt auf der Suche nach „dem“ Bild des Jahres. Natürlich ist das ein Ding der Unmöglichkeit.. Doch habe ich versucht, ein Foto zu wählen, dem es am ehesten gelingt mein inneres Empfinden für dieses Jahr auszudrücken: Dankbar, offen, positiv, glücklich & gelassen.
Das Gewinner-Bild meiner Favoriten – das Beitragsbild – zaubert mir sofort ein Lächeln auf die Lippen, wenn ich es ansehe. Das Jahr 2024 war erst süße 2 Tage alt und wir genossen uns und das Leben in Portugal. Inmitten unserer Tagesetappe fanden wir sie – eine Schaukel auf einem Hügel. Es war als hätte sie auf uns gewartet und natürlich wollten wir es uns nicht nehmen lassen, jede von uns musste am 2.1.2024 eine Runde aufs neue Jahr „schaukeln“. Während wir wanderten, gab es nur uns, unsere Erlebnisse, die Natur, unsere Gedanken, Gespräche und Stille. Ich dachte nicht viel über das neue Jahr nach, für mich gab es keine großartigen Vorsätze. Ich wollte den Druck aus meiner Gedankenwelt und meinem Leben nehmen – zugegebenermaßen nicht gerade ein kleines, überschaubares Ziel. Aber definitiv der Hebel, an dem ich für mich ansetzen sollte. Zu oft war ich enttäuscht gewesen, weil das Leben nicht immer mit meinen Erwartungen im Gleichschritt gehen wollte und ich mich auf der Strecke zurückgelassen fühlte. Und was war dann passiert? Klar, ich wurde noch verbissener, erhöhte den Druck und erwartete insgeheim, dass es jetzt klappen musste, da ich ja viel mehr ohnehin nicht mehr geben konnte. Die Gleichung: Mehr Druck & investierte Energie = mein gewünschtes Ergebnis war demnach lange eine nach der ich gelebt hatte.
Der Trail in Portugal hatte definitiv etwas Reinigendes für mich. Ein Stückchen dieser Leichtigkeit konnte ich mir in dieses Jahr mitnehmen. Natürlich wäre es gelogen zu sagen, dass ich komplett frei und stressfrei im Kopf durch die 358 Tage des Jahres 2024 schritt. Aber geht es denn wirklich darum? Oder geht es nicht eher darum, die Momente, in denen wir einfach sind mehr werden zu lassen, während unser Kopf still ist? Unser Gehirn ist ohnehin fast nonstop am Bewerten, am Denken, am Planen, am Miesmachen, am Meckern – wirklich gut geht es uns, wenn er für gewisse Zeit verstummt und wir einfach den Moment genießen und leben. Doch unser Kopf meint es nicht schlecht mit uns, er will uns vor Fehlern bewahren, vor Schmerz – am liebsten sollten wir uns nur in der Komfortzone bewegen, denn da passiert ja meist so schrecklich wenig.
Die Gelassenheit in den Alltag mitzunehmen hat natürlich nicht einfach auf Knopfdruck funktioniert, das möchte ich ganz und gar nicht so darstellen. Frei nach dem Motto: Gehst du einmal für 7 Tage in Portugal wandern und kommst als neue, bessere Version von dir zurück. Wenn ich zurückschaue, dann war die meiste Zeit eher geprägt davon, dass ich mehr versucht habe in mich hineinzuspüren, mich zu fühlen. Wie geht’s mir mit dieser Situation? Möchte ich dieses oder jenes jetzt wirklich machen? Ich habe vieles in Frage gestellt und war gewissermaßen in vielen Situationen meine „innere Betreuerin“, die versucht hat, mein Wohlbefinden an oberster Stelle zu sehen. Sie kann auch furchtbar streng werden, wenn sie mir meine zuvor gemachten To-Do-Listen versucht auszureden. Natürlich ließ ich sie nicht immer gewinnen, aber meistens war sie die Siegerin, da ihre Argumente oft unschlagbar waren. Da fielen dann so Sätze wie: Die To-Do Liste bis zur Erschöpfung abarbeiten während die Laune immer schlechter wird vs. Du genießt jetzt den Rest des Abends und machst den Rest morgen. Ob heute Abend oder morgen wird niemanden jucken. Das war dann auch der Moment, in dem es mir wie Schuppen von den Augen fiel: Ich war meine eigene erbarmungslose, diktatorische Chefin, die mich versuchte – ohne Wenn und Aber – durch die Tage zu peitschen.
Es gibt selbstverständlich auch Situationen im Leben, in denen man nur Tag für Tag leben kann und mehr nach dem Körper und der eigenen Energie geht. Als ich Mitte des Jahres von meiner Schwangerschaft erfuhr, ging es mir genau so. Ich dachte immer das Leben würde einfach weiterlaufen, nur eben als Schwangere. Ach was war das für ein Trugschluss. Die Veränderung passiert eher schlagartig, nicht wirklich schleichend, dass dein Körper und dein Geist beginnen anders zu funktionieren und zu ticken. Deine Energie so abzurufen wie früher funktioniert auch nicht wie gehabt. Plötzlich steht alles am Kopf und man weiß nicht wie einem geschieht. Planbar ist dann nicht mehr vieles. Oft ist eine Woche anders als die davor und auch jene, die kommt, kann einen dann wieder mit einem anderen Programm überraschen. Am leichtesten fällt es einem, wenn man es lernt hinzunehmen, denn ändern kann man es ohnehin nicht. Für mich war und ist es definitiv die schönste Sache, um die Geschwindigkeit aus meinem Leben zu nehmen und lernen jeden Tag so zu nehmen, wie er ist. Klar, das kann Angst machen und einem oft das Gefühl geben, man hätte die Kontrolle über sein Leben verloren, aber am Ende des Tages werden wir auf unendlich vielen Ebenen davon profitieren, dass wir lernen die Zügel ein wenig zu lockern, sie müssen uns ja nicht komplett aus den Händen gleiten.
Alles Liebe,
Eure Rox
