Heute Morgen kam mir eine Erinnerung, als ich den leeren Bohnenbehälter meiner Kaffeemaschine befüllte. Ich dachte an meine Oma, wie sie nahezu alles, was sie tat, achtsam machte. Als ich noch ein Kind war, da nervte es mich, wenn sie mich ermahnte, nicht zu schnell zu machen und geduldig zu bleiben. Doch ich beginne erst in den letzten Monaten vermehrt zu begreifen, wie Recht sie damit hatte.
Als ich vor einigen Monaten bei einer Tätigkeit die Zeit um mich herum vergaß, da erschien mir das erste Mal das Bild meiner Oma. Damals verstand ich noch nicht, warum ich nun genau in diesem Moment an sie dachte. Doch bereits kurze Zeit später verstand ich es. Ich ruhte in mir, war konzentriert, dachte an nichts anderes und nahm mir die Zeit, die ich brauchte. Und genau dieses Bild erinnerte mich an meine Oma. Sie war immer der Fels in der Brandung gewesen, den nichts erschüttern konnte. Jeder Herausforderung stellte sie sich. Dabei war sie mutig, handelte überlegt und gelassen.
In Kindheitstagen war ich ein ehrgeiziges, stures und ungeduldiges Mädchen, ich wollte alles sofort können und an den schlimmsten Tagen mischte sich auch noch ein wenig Jähzorn mit dazu. Je älter ich wurde, desto höher wurden die Wellen. Manche lernte ich zu reiten, wieder andere verschlangen mich für eine kurze Zeit, bevor sie mich wieder ausspuckten. Das Streben nach Perfektion, sich selbst aber auch den anderen etwas beweisen zu wollen und „Everybody’s Darling“ zu sein, waren meine inneren Motivatoren und führten dazu, dass ich mir oft im Leben zu viel zumutete. Das Resultat war, dass ich mir selbst nicht treu war und Dinge tat, die man eben so machte oder die andere von einem vermeintlich verlangten. Meine Motivatoren leiteten mich sehr lange und tun es selbstverständlich bis zu einem gewissen Grad auch heute noch, aber ich halte nun länger inne, frage mich, ob es die Welle ist, die ich reiten möchte und tue es erst dann.
Wenn ich mich frage, wie es dazu kam, dass ich achtsamer durchs Leben gehe, dann gibt es für mich nur eine klare Antwort: Ich habe mich selbst besser kennengelernt. Es mag sehr unspektakulär klingen, aber erst, wenn man versteht, was einen motiviert, welche Glaubenssätze in einem verankert sind und mit welcher Persönlichkeit man durchs Leben geht, realisiert man, wie man denkt und resultierend daraus auch handelt.
Ich fühle mich in den stillen, achtsamen Momenten meiner Oma wieder sehr nahe, denke an ihr einzigartiges Wesen und flüstere in Gedanken ein stilles „Oma, und wieder hattest du Recht.“
Alles Liebe, eure Rox
Foto Credit: Pixabay/Kanenori
